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Freitag, 26. März 2010

Rückkehr des Chinglish

Eine der traurigen Begleiterscheinungen der Olzmpishen Spiele war das fast vollständige Verschwinden von schönen Übersetzungen aus dem Beijinger Stadtbild. Doch wie so vieles, war auch das nur vorübergehend, das Chinesische in China (und wenn es um Englisch geht), ist stärker. Und wieder da. Geknipst in einer Toilette auf dem Olympiagelände (für sowas würde ich mir jeweils eine etwas unauffälligere Kamera wünschen...), also im Zentrum des Anti-Chinglish Kampfes...

Water leakage (by niklausberger)

(Hab ich auch schon als "It is automatic rinse apparatus. Do not touch" gesehen)

One half step (by niklausberger)

Korrektere Übersetzung: "Ein kleiner Schritt nach vorn, ein grosser Schritt für die Kultur/Kultiviertheit/Zivilisation" - wer das Privileg genossen hat, eine Chinesische Herrentoilette von innen zu sehen, weiss was gemeint ist. Für die Damen unter meinen Leserinnnen appelliere ich an die Vorstellungskraft; für die zartbeseiteten Damen unter den Leserinnen appelliere ich ans Unterdrücken eben jener Vorstellungskraft.

Donnerstag, 14. Januar 2010

Reisen mit Chinanik: Beijing III

Hier ein paar tiefsinnige Sachen, auf die wir bei unserer Tour durch Beijing gestossen sind. Nicht nur in dieser Hinsicht gibts hier jeden Tag neues zu entdecken...


Mold a well-mannered imagination (by niklausberger)

Protect the Railings (by niklausberger)

All Rinds (by niklausberger)

Time-honored fried cow stomach (by niklausberger)

Montag, 11. Januar 2010

Lost in Translation

Chinesisch ist eine ungeheuer mühsame Sprache zum Übersetzen; das beginnt schon damit, dass man nie so genau weiss, wo ein Wort beginnt und aufhöhrt. Ich kriege ziemlich oft Emails in Chinesisch, meistens solche, die ans ganze Institut gehen. Die Dinger Zeich für Zeichen zu übersetzen, würde meinen Tag komplett ausfüllen. Drum muss Babelfish hinhalten. Raus kommt natürlich kein sauberes Englisch, aber meist kann man erahnen, worum es gehen soll - versucht Euch mal an diesem Stück Text...
"In 2010 trade union Spring Festival active arrangement Discards the old for the new, to let the general staff celebrates joyfully the Spring Festival in the auspicious environment and the atmosphere, further promotes all-people body-building movement development, builds the entire health harmonious, the positive upward strong atmosphere, by the party politics leadership authorization, the trade union prepares to arrange positively to be beneficial in the staff physical and moral integrity recreational activity, hoped that the general staff arrange their work, participates in positively the Spring Festival activity according to own physical requirements."

Nachtrag, soeben erhalten:

"Participates on December 12 the radioactive physical examination personnel, welcome take the physical examination result to the office."

Dienstag, 15. Dezember 2009

iPhone in China

Es ist mal wieder Zeit für was anderes als Bilder aus Guizhou, und da ich in letzter Zeit ziemlich viel damit rumgespielt habe, kommt jetzt das iPhone zum Zug, das ich mir diesen Sommer hier in Beijing zugelegt habe. Genauer genommen möchte ich hier darlegen, was ein iPhone in China besonders nützlich macht. Da ich irgendwie nie dazu gekommen bin, Apple meine aktuellen Kreditkartendaten mitzuteilen, ist das alles hier komplett gratis... Der erste Teil ist mehr für Bastler, die zweite Liste für den normalen Hausgebrauch.

Alles beginnt damit, dass dem lieben Telephon erstmal die Eingeweide angepsst werden müssen; bis vor sehr kurzem gabs keine offiziell Chinesischen iPhones und wer nicht ein sehr teures Italienisches, Belgisches oder Hong Kongesisches Modell kaufen wollte, kriegte eines, das auf einen Telekomanbieter (z.B. AT&T) gelockt ist. Damit man damit mit China Mobile (und zu Hause mit Swisscom) telephonieren kann, muss man etwas basteln (um das unschöne Wort Hack nicht zu gebrauchen). Beim Kauf war mein Telephon sowohl gejailbreakt als auch unlocked, ich habe dann aber mal ein Software-Update vermasselt und musste den Unterschied zwischen diesen Termini und noch einiges mehr auf die harte Tour lernen.
  • Erstmal muss man dem Telephon beibringen, dass es Software nicht nur von Apple gibt (dies ist der jailbreak-Vorgang); das geht mit dem QuickPwn-Tool; damit kriegt man Cydia (so eine Art freier AppStore) und von dort holt man sich dann alles weitere...
  • Um die Schweinerein, die mein vermasseltes Update mit dem Baseband (dem eigentlichen Telephon-Teil der Software) angestellt hatte, musste ich dieses zu einer früheren Version downgraden; dies funktioniert bei gewissen älteren 3G iPhones (unter anderem meinem) mit einer Software namens Fuzzyband (gibts bei Cydia).
  • Danach kann man das iPhone dann mit ultrasn0w (auch bei Cydia) unlocken und hat damit erst mal erreicht, dass man mit dem Telephon telephonieren kann.
Ich empfehle, vor solchen Aktionen den Blog des iPhone dev Teams gründlich zu lesen; man kann einiges vermasseln... Und v3.0.1 ist nicht das selbe wie v3.1. Und Geld zu bezahlen barucht man für die ganze Software nicht.

Danach geht alles ganz leicht (wenn man keine Apple-Betriebssystem-Upgrades einspielt). Das iPhone ist für China (und auch sonst) ganz toll wegen:
  • Der Chinesischen Handschriftenerkennung (wird mitgeliefert) und der Unterstützung von Eingabe in Pinyin (lateinischer Umschrift).
  • Dies macht das verschicken und empfangen von SMS in Chinesischen Zeichen möglich; in 160 Hanzi passt ungleich mehr Information als in 160 lateinische Buchstaben...
  • Und es ermöglicht den Gebrauch eines Chinesischen Wörterbuches (ich verwende iCED Free, ein gutes Chinesisch-Englisch-Wörterbuch). Dafür alleine hat sich für mich der Kauf des Telephons gelohnt.
  • Skype fürs iPhone erlaubt Gespräche mit den Lieben in der Ferne für Lau aus all den Cafes in Beijing mit gratis Wireless.
  • Facebook fürs iPhone lässt einem in ebendiesen Cafes jederzeit überprüfen, dass die grosse feuermauer Facebook immer noch sperrt.
  • Die Wetterapplikation gibt mir die Gewissheit, dass das Wetter in Shanghai noch lausiger ist als hier in Beijing.
  • Mit einer GPS-Applikation (ich verwende MotionX GPS LTE) kann man sich (dan fehlender Karten), immer noch prima verlaufen (z.B. auf dem Weg von Xijiang nach irgendwo, siehe letzten Post), aber wenn man dann ein unerwartet schönes Dorf mit netten Einwohnern (Wuyao, siehe nächsten Post), gefunden hat, kann man immerhin festhalten, wo es ist.
  • Wenn dann in selbigem Dorf eben mal kurz der Strom ausfällt, ersetzt die myLite-Applikation eine Taschenlampe (an Konzerten sehr geschätzt: das Feuerzeug zum schwenken).
  • Photographieren tu ich mit dem iPhone eher selten, schliesslich schleppe ich ständig ein paar kg DSLR mit mir rum. Aber so ein paar Gelegenheiten gibts schon, und unterdessen kann man mit Photoshop Mobile direkt auf dem Telephon auch anständig nachbearbeiten; gelb-blaue Duotones krieg ich aber noch nicht hin.
  • Der i48 ist ein vollständiger HP48GX - wer wie ich mit einem Rechner mit invers-Polnischer Notation gross geworden ist, sollte sich das nicht entgehen lassen.
  • Und mit Helvetiq stelle ich sicher, dass ich nicht all mein Wissen über die Schweiz vergesse.
  • Als Spiel empfehle ich Finger Physics Free...
Und damit erstmals genug für heute, muss noch ein bisschen mit meinem Telephon spielen...

Postscriptum: Unterdessen gibt es ganz offiziell iPhones zu kaufen in China. Allerdings haben die kein Wifi und sind damit ziemlich witzlos; wer sich also in China ein iPhone kaufen möchte, sollte nach wie vor nach einem Import ausschau halten (und vor dem Kauf Wireless ausprobieren...).

Postpostscriptum: Nette Begebenheit beim Kauf meines Telephons: Ich verlange eine Quittung, nur so für den Fall das das Ding nach ein paar Tagen den Geist aufgibt. Der Händler sagt "ja gerne, wofür hättest Du denn gerne eine Quittung?" - "Fürs iPhone natürlich." - "Ja das geht nicht, iPhones kann man in China nicht kaufen." - "Aha...". Bin jetzt Besitzer einer Quittung für einen sehr teuren iPod...

Dienstag, 11. August 2009

Fragen


  • Wer ist Dr. Natir?
  • Was macht der in Beijing?
  • Hat das was mit der Hitze zu tun?
  • Weshalb wurde hier so lange nicht gepostet?
  • Und wieso jetzt so was?
  • Sollte man das alles fragen?
Sachdienliche Hinweise nimmt die Kommentarsektion entgegen. Hinweise die irgend was mit der Wahrheit zu tun haben werden mit Entenfüssen bis zu zwei Tellern belohnt.

Sonntag, 7. Juni 2009

Es muss nicht immer die Übersetzung sein...

Beispiele für elegantes Chinglish habe ich hier ja schon des öfteren vorgestellt. Mit fortschreitenden Chinesischkentnissen kann ich unterdessen gelegentlich auch das Original betrachten; überraschenderweise ist nicht notwendigerweise die Übersetzung schlecht; manchmal ist auch das Original etwas grenzwertig... (Gesehen an einem Bauzaun an der Gongti Beilu, einer der Häufungspunkte für Ausländer in der Stadt).


Der Anfang noch halbwegs harmlos...

Nochmals der Slogan, ist auch eine schöne Vorlage für ein Tatoo

Busy mit Frühstücken - so lässt sichs leben - doch was gibts zum Frühstück?


Aha.
(Das Chinesische heisst tatsächlich "in der einen Sekunde besoffen, in der nächsten im Meeting").
Prost!

Montag, 4. Mai 2009

Reise nach Fujian: Teil II, so eine Art Zwischenspiel, nicht jugendfrei

Hotelzimmer haben ja schon manchen inspiriert (man denke da an Nabokov, Mann, Maugham...), in China scheinen sie vor allem zu einem zu inspirieren. Dies ist auch naheliegend. Wenn man bedenkt, wie viele Leute sich hier zu Hause oft ein Zimmer teilen, ist davon auszugehen, dass ein rechter Teil der Chinesen in Hotelzimmern gezeugt wurden.
Der moderne Mensch scheint ja das Zeugen (und noch mehr das Nichtzeugen) ohne Hilfsmittel nicht mehr hinzukriegen, und so bieten viele Chinesische Hotels anstelle oder zusätzlich zu einer Minibar noch so eine Auswahl an Erotikbedarf. Der unbedarfte Beobachter (und ich zähle mich da mal dazu), ist beindruckt von der grossen Auswahl, der Innovationskraft und den treffsicheren Übersetzungen in die Sprache Sahkespeares in diesem Segment. Kleinkinder jetzt bitte wegschauen.

Das grosse Glück präsentiert sich an der Badezimmerwand des Millan (das zweite "l" ist nicht von mir) Hotels wie folgt:


Als erstes Stück ein Rasierer, dem ausser beim Schriftzug und dem Markennamen alles noch komplett unferfänglich ist (dies ist die definitiv letzte Gelegenheit für die kleinen Kinder, wegzuschauen).

Dann dieses Prunkstück, das teuerste im Sortiment. Ein vibrierendes Quartz-Set (schon in einer Uhr ein Greuel, aber mit "man's and woman's thing"...). Worum es sich genau handelt, lässt sich ohne die 50 Yuan zu investieren nicht herausfinden.


Immerhin wird uns auf der Rückseite noch mitgeteilt, dass "The fervor and the high tide which lets which you love the person enjoys love" - aber nur wenn irgendas 52 +- 2 mm gross ist - immerhin braucht der Hersteller hier das metrische System und nicht traditionelle Chinesische Länegneinheiten, die bergauf kürzer sind als bergab.


Das folgende Produkt wird von Shanghai Shangteng Tourist Products Co. Ltd. hergestellt. Hab ichs doch gesagt, dass da mit den Hotelzimmern was ist.


Worum es sich handelt, ergibt sich aus der Beschreibung auf der Rückseite. Oder zumindest so ungefähr. "Convulsionary Condom" klingt irgendwie schmerzhaft - da "let heartthrob" mehr aus Angst um das gute Stück... Auch "Vibration Energy" hab ich bisher nicht so mit Kondomen assoziert, eher mit harmonischen Oszillatoren, es könnte sich hier aber auch um einen klassischen Fall von deformation profesionelle meinerseits handeln.


Dann haben wir hier eine Packung "Man Joy Sex Oil"; mehr Englisch gibts dazu nicht, dafür ein mindestens 1000-jähriges Phallussymbol. Linguistisch sehr interessant finde ich auch, dass "Man Joy Sex" in nur ein Chinesisches Zeichen passt.


Weiter gibt es je einen Beutel "Man Lotion" und "Woman Lotion" - wozu das gut ist, sagt die Rückseite (der Text ist übrigens für Damen und Herren der selbe).

... dem gibt es nicht mehr viel bezufügen.

Montag, 8. Dezember 2008

Im Lift gesehen

Obwohl es bei mir ja manchmal nicht ganz so stylisch aussieht, hatte ich ausser den kurzen Zwischenspielen mit den Mäusen bisher kaum Probleme mit der einheimischen Fauna - das muss nicht so sein... Untenstehende, brilliant formulierte Mitteilung hat Jonas in seinem Lift abphotographiert...

kill cockroach families (by Jonas in China)

Mittwoch, 10. September 2008

Wort des Tages

Wieder ein neues chinesisches Wort gelernt: 拉拉队 (la la dui), die "cheering squad" - jetzt müsste man nur noch wissen, wie das auf Deutsch heisst - Vorschläge als Kommentare bitte.

Freitag, 5. September 2008

Deutschkurs

Vor längerem habe ich mal über einen olympischen Bauzaun in nicht ganz lupenreinem Deutsch berichtet, hier zur Sicherheit nochmals das Bild:

Gastgeber (by niklausberger)

Wie wir alle wissen, lesen die, die hier das Sagen haben alles mit, wohl auch meinen Blog. Wie sonst ist es zu erklären, dass die ganzen Bauzäune eine Update erhielten. Jetzt fehlt eigentlich nur noch ein Satzzeichen. Liebe Leser, würdet Ihr hier ein Komma, ein Strichpunkt oder einen Gedankenstrich setzen?

Gastgeber (by niklausberger)

Donnerstag, 28. August 2008

Freunde fürs Leben...

Es soll ja Leute geben, die nicht so gut verstehen, wieso ich meine Arbeit so toll finde und so in diese kleinen Teilchen vernarrt bin. Nun, wie für fast jede Frage findet man auch hier auf chinesischen T-Shirts Antwort:

Atoms and Humans can be Friends (by niklausberger)

Und wers nicht lesen kann (von wegen kurzsichtig oder wegen der Haare derjungen Frau):
Atoms and Humans can be friends

Selbstgebaute Brücke

Bevor ich mich abschliessend über Olympia und so äussere, soll noch etwas Wasser den Yangtze herunterfliessen (und die Paralympics und ihr Stellenwert sind auch noch so eine Frage...). Womit wir elegant zum Yangtze übergeleitet hätten. Hier wieder mal ein paar Bilder von meiner Reise in den Süden. An meinem letzten Tag in Nanjing bin ich zuerst über den Campus der Uni von Nanjing spaziert, wo einige ehernwerte Gebäude die Zeiten wo Gelehrsamkeit in China mit Füssen getreten wurde überlebt haben und heute wieder im Mittelpunkt intellektuellen Lebens stehen. Hier die Slideshow.

Nanjing University (by niklausberger)

Nanjing University (by niklausberger)

Nanjing University (by niklausberger)

Anschliessend nahm ich ein Taxi zur Yangtse-Brücke, ein riesiges Ding, dass unterhalb von vier Fahrspuren auch zwei Eisenbahnspuren beherbergt und total 6.7 km lang ist. Ein Flussübergang in Nanjing war eines der grossen Infrastrukturprojekte der jungen Volksrepublik, dass von den Sovjets unterstützt wurde. Als sich Mao und Khrushchev zerstritten, verschwanden die sovjetischen Ingenieure samt Plänen. Wen man heute durch Beijing und Shanghai spaziert, ist es schwer vorstellbar, dass vor weniger als fünfzig Jahren der Rest der Welt den Chinesen noch nicht zutraute, ohne Hilfe von aussen eine (zugegebenrmassen grosse) Brücke zu bauen. Nun, die Chinesen habens trotz grossem Sprung nach vorn und Kulturrevolution hingekriegt. Die Brücke ist bis heute ein Symbol chinesischer Eigenständigkeit. Als nationales Symbol ist die Brücke auch mit Symbolen überladen. Und auch heute noch legen Leute vor der Mao-Statue Blumen nieder.


Nanjing Yangtze Bridge (by niklausberger)

Nanjing Yangtze Bridge (by niklausberger)

Nanjing Yangtze Bridge (by niklausberger)

Nanjing Yangtze Bridge (by niklausberger)

Mao (by niklausberger)

Die Mao-Statue ist für den Raum etwas gross geraten, man ist immer so in einer Froschperspektive, wo wiederum die Frisur etwas ungünstig erscheint (Crusty der Clown?)

Nanjing Yangtze Bridge Inscription (by niklausberger)

Bewundernswert hingegen Maos Kalligraphie, hier in Marmor verewigt. Der eigentlich Star ist aber der "lange Fluss", der sich träg und gelb dahinwälzt, befahren auch von Seeschiffen (die in Nanjing auch gebaut werden)

Yangtze (by niklausberger)

Fishing (by niklausberger)

Yangtze Ship Traffic (by niklausberger)

Nanjing Yangtze Shipyard (by niklausberger)

Und zum Schluss hab ich, um mich selbst mit dem Diktionär ein bisschen zu beüben (Radikal finden, Striche zählen, Radikaltabelle nachschlagen, restliche Striche zählen, Zeichentabelle nachschlagen, Zeichen nachschlagen), die beiden grossen Schilder neben Mao übersetzt (immer sehr frei...)

Nanjing Yangtze Bridge (by niklausberger)

Vereinigte Völker der ganzen Welt, lang sollen sie leben!
(Lang ist 10000 Jahre...) irgendwie ironisch an einem Monument nationaler Eigenständigkeit...

Nanjing Yangtze Bridge Inscription (by niklausberger)

Vereinigt stehet auf, strebt nach immer grösseren Siegen!
Oder schaut Euch die Slideshow an.

Auf den ersten Blick erscheint ja viel dieser Kommunisten-Nostalgie ziemlich erheiternd, bis man sich an die damit verbundenen Leiden und Leichen sonder Zahl erinnert. Die ganzen Mao-Souvenirs sind (noch mehr als die ganze DDR-Nostalgie in Berlin) schlimmer als nur geschmacklos. Die Brücke ist neben Verkehrsachse und Ausichtspunkt auch Mahnmal - wie lange es wohl dauert, bis sie das auch offiziell ist?

Mittwoch, 30. Juli 2008

T-Shirts

Da ich immer noch Hochzeitsbilder (bzw. Bilder von den Vor- und Nachfeiern - wen es interessiert, soll mal bei Flickr vorbeischauen) am sortieren bin, komm ich nicht so recht zum bloggen. Um die lieben Leser bei Laune zu halten deshalb erst mal ein paar T-Shirts aus Nanjings Einkaufsmeile...

T-Shirt (by niklausberger)
"Design" ist in New York, hier in China sind wir mit einem gelben Streifen zum markieren des Zwerchfells zufrieden.

T-Shirt (by niklausberger)
Der kategorische Imperativ der Berner Wanderwege oder Aufruf zur chauvinistischen Promiskuität?

T-Shirt (by niklausberger)
Damit wohl eher zweiteres. Da sind wir doch auch dafür...

T-Shirt (by niklausberger)
Interpretation sehr, sehr schwierig... vielleicht erhellt ja das Kleingedruckte?

T-Shirt Zoom (by niklausberger)
Genau! - Noch Fragen?

T-Shirt (by niklausberger)
Bin ich "Lovis Vvittoi" in einen andren Leben schon mal begegnet?

T-Shirt (by niklausberger)
Na ja, "Gravity" ist sicher "time honored", der Zeitrahmen geht aber wohl doch über ein Jahrzehnt heraus; Newton ist doch schon ne ganze Weile tot...
Bald mal werde ich zum Kleidermarkt beim Zoo fahren und mir das "Eine Million Volkswagen Transporter" T-Shirt kaufen. Falls sonst noch jemand eins will, bitte im Kommentar mit Angabe der Grösse vermerken.

Samstag, 12. Juli 2008

Nanjing Highlight

Nun, Nanjing hat mir sehr gut gefallen, vor allem aus einem Grund: Es gibt in einer unterirdischen Passage ein Schweizer Restaurant, Bebbis - wie im Bernerhof in Interlaken (an beiden Orten wird man übrigens auch von Asiatinnen mit Kuh-Muster-Juppes bedient). Bei 35 Grad hatte ich nicht die ganz grosse Lust auf Swiss Cheese Hotpot, und habe damit schon die zweite Bebbis Filiale links liegengelassen - ich hoffe mal, ich darf trotzdem meinen Schweizer Pass behalten...

Bebbis Nanjing (by niklausberger)

Donnerstag, 19. Juni 2008

Kultur und Rumsaufen und Kultur des Rumsaufens?

Nun bin ich ja schon eine ganze Weile in Beijing (und habe schon wieder einen Blogeintrag mit "nun" begonnen). In meinen frühen Posts habe ich des öfteren die geringe Durchmischung von Chinesen und Laowais beklagt. Das hat sich in letzter Zeit nicht geändert; nur bin ich irgendwie Teil (Opfer mag ich nicht sagen) dieses Apardheitsystems geworden.
Aber zu erst ist mal auf der positiven Seite zu vermerken, dass die Jungs, mit denen ich zusammen arbeite, richtig gut drauf sind. Wir haben uns unterdessen genug aneinander gewohnt, dass wir uns problemlos verstehen (was auch bei gleicher Muttersprache nicht selbstverständlich ist), sinnvoll diskutieren können und niemand Angst hat, mich was zu Fragen oder auf einen Fehler meinerseits hinzuweisen. Das war aber auch ein halbes Jahr Arbeit...
Andrerseits ist mein Abend- und Wochenendprogramm (ausser dem Chinesischunterricht) doch ziemlich "westlich" ausgerichtet. Und bei vielen anderen ist es noch schlimmer - während an meiner Geburtstagsfeier immerhin drei Chinesen (na ja, einer ist Malaysia-Chinese) teilgenommen haben, tauchen an den üblichen Parties kaum Einheimische auf. Überhaubt kommen die meisten Beziehungen zwischen Westlern und Chinesen entweder vom Arbeitsplatz her oder sind Ehen (wobei es sich fast immer um chinesische Frau und westlichen Mann handelt). "Normale" Freundschaften sind selten. Dies wirft einen Haufen Fragen auf (wie kommen die Ehen zu Stande - alles Sekretärinnen? Sind wir zu verschieden? Ist irgendwer rassistisch? Ist man zu faul?). An allem ist ein bisschen was dran, aber darauf möchte ich nicht im Detail eingehen, sondern etwas über die vielbeschworenen Kulturunterschiede sagen.
Der cultural divide besteht wohl aus zwei verbundenen Gräben; einerseits - und das ist mir erst hier klar geworden - spielt der kulturelle Hintergrund, die Bildung eine doch ziemlich grosse Rolle und andrerseits ist das Ausgehverhalten der Chinesen mit dem unseren nur beschränkt kompatibel. Die Idee, mit Freunden was Essen zu gehen und nachher in die eine oder andere Bar was trinken zu gehen, ist bei den Chinesen nicht so verbreitet; es ist schon mal fast unvorstellbar, dass man die Rechnung fürs Essen aufteilt - und damit muss der Chinese, der so was anreisst, es auch alles bezahlen. Gerade für Doktoranden liegt so was eigentlich nicht drin. Dann gibt es auch die unschöne Angewohnheit, die Tafel nach dem letzten Bissen sofort aufzuheben, so ein bisschen Zusammensitzen ist selten. Und um gross Einladungen zu Hause zu veranstalten, sind die Chinesen oft nicht ausgerüstet (von den Achterschlägen der Doktoranden ganz zu schweigen). Trinken um des Genusses willen ist hier auch nicht so verbreitet (bei dem Schnaps kann man das auch niemandem verübeln), meistens läuft es auf ein Wetttrinken heraus. Das kling jetzt alles ziemlich negativ, sollte es aber nicht. Ich wäre der Letzte, die
chinesische Esskultur herabzuwürdigen. Nur sind viele Dinge so angelegt, dass man da als Aussenstehender sehr, sehr schwer reinkommt. Natürlich kann man die Chinesen von Zeit zu Zeit einladen, aber zu oft geht auch das nicht, weil dann kommen sie unter Druck, irgendwie gleichzuziehen.
Das ist also das Eine - und andrerseits wird einem erst, wenn das plötzlich nicht mehr selbstverständlich ist bewusst, wie riesig unser Rucksack aus Abendländischer Kultur eigentlich ist. Damit meine ich nicht, dass wir alle Homer, Shakespeare, Schiller und le Carré gelesen haben; aber wir haben eine Vorstellung von Odysseus, der Achillesverse, Romeo und Julia; können uns zu Sein und Nichtsein fragen, wissen, dass die Axt im Haus den Zimmermann erspart, der Starke am mächtigsten allein ist und dass Spione aus der Kälte kommen können. Wir haben nicht alle sämtliche Folgen von A-Team, Baywatch oder Monty Phytons Flying Circus gesehen, lieben es aber, wenn ein Plan funktioniert, bevorzugen einteilige, rote Badeanzüge und denken, dass Eric ein guter Name für einen Haustier-Heilbutt ist (ok, der ist jetzt etwas obskur). Grimms Märchen kennt eh jeder. All dies und vieles mehr, erlaubt es uns im Gespräch unzählige Abkürzungen mit Hilfe von Verweisen auf beidseitig Bekanntes zu nehmen. Wenn man hingegen immer den langen Weg nehmen muss (und dafür oft den Faden des Gesprächspartners bei seinen Abkürzungen verliert), ist auch ein durchaus nicht tiefsinniges Gespräch deutlich weniger ergiebig. Hoffnung gibt hier die Populärkultur (inkl. Sport) der letzten Jahre, die so globalisiert ist, dass sie alle Grenzen überbrückt; um so richtig tief zu sitzen braucht auch das aber wohl noch ein bisschen Zeit; das Wembley-Tor hat nun mal einen höheren metaphorischen Wert als das 0:0 von Frankreich und Rumänien.
Zusammenfassend, pauschalisierend und vereinfachend kann man also sagen, dass sich Hoch- und Populärkultur irgendwie auf uns alle abfärben und unsere Gesprächskultur (und wohl auch Trinkkultur) prägen. Und gerade wenn man vor allem auf der Suche ist nach Leuten, um ein bisschen zu quatschen, was zu trinken und einfach eine gute Zeit zu haben, so geht das irgendwie besser wenn man einiges gemeinsam hat; mit den Laowais ist das bei mir mehr als ich so dachte, bei den Chinesen ist es vor allem das gerne Tanzen, aber das ist ja schon mal ein guter Anfang.

Gerade weil es manchmal etwas harzt (meine Visumsgeschichte kommt wohl nächste Woche an dieser Stelle), lohnt es sich, längere Zeit in der Fremde zu verbleiben. Die Gelegenheiten, wo man das Gefühl hat, sein Gegenüber aus der Kentniss seiner Kultur heraus zu verstehen, sind so manches wert.

Montag, 21. April 2008

Lost and found in translation

Mit zunehmenden Chinesischkentnissen erschliesst sich einem je länger je mehr die wunderbare Welt der Übersetzungen. Die chinesische Sprache ist relativ arm an Lauten, aber sehr reich an Homophonen, was sich für mehr oder weniger gute Übertragungen westlicher Firmennamen anbietet...

  • Der Klassiker, und wohl auch unschlagbar ist 可口可乐, kekou kele, was sehr frei übersetzt in etwa "schmeckt gut und macht glücklich" bedeutet und gleichzeitig der originalen Aussprache so nahe genung kommt, dass man an einem guten Tag auch mit englischer Aussprache eine Cola bestellen kann.
  • Da hat es die Konkurenz natürlich schwer - 百事可乐, baishi kele ist mit "Hundert Angelegenheiten macht glücklich" ganz klar Nummer 2 auf dem chinesischen Markt.
  • Ich trinke ja meistens grünen Schnee (雪碧, xuebi) hier ist der Laut aber schon ziemlich weit weg vom originalen Sprite. (Das x wird übrigens als stimmhaftes s gesprochen).
  • Einen schönen Namen, nämlich "Tor zum Westen", hat sich 西门子, ximenzi - auch hier ist das x ein s - zugelegt.
  • Etwas weniger Glück hatte da die Konkurrenz; die aussprache, man, triffts zwar genau, aber ob 慢, langsam, für einen Lastwagen- und Turbinenhersteller so toll ist...
  • Umgekehrt gehts natürlich auch, der "hundert Computer" (百脑, bai nao) Laden heisst auf English buy now.

Dienstag, 26. Februar 2008

Wegwerf-Partikel?

Nach zwei Wochen Pause und einem kurzen Immersions-Refresher in Oberländer Dialekt versuche ich mich nun wieder mit Chinesisch. Erstaunlicherweise habe ich in den zwei Wochen in der Schweiz weniger vergessen als normalerweise zwischen zwei Lektionen hier in Beijing. Aber wenn mich meine eigene Faulheit und Vergesslichkeit nicht bremsen, so hat die Chinesische Sprache noch den einen oder anderen Stolperstein zu bieten. Beim Schreiben am Samstag lernte ich, dass auch die Strichreihenfolge in einem Zeichen vom Kontext abhängen kann; zum Beispiel das Zeichen für Fahrzeug, che 车. Hier schreibt man erst den oberen Querstrich (ein heng), dann den Haken (heisst piezhe), dann den unteren Querstrich (wieder heng) und dann den senkrechten Strich (shu). Im Zeichen mit dem Fahrzeuge gezählt werden, liang 辆, kommt che wieder vor, im linken Teil. Hier wird aber der untere Querstrich, der jetzt ein pie ist, als letztes geschrieben.
(Konversation kann ich immer noch keine anständige führen).

Heute habe ich dafür gelernt, dass es ein spezielles Partikel (ba 把) gibt, das anzeigt, dass das Objekt des Satzes nachher irgenwie weg ist (ausgetrunken, weggeworfen, verschenkt, aufgeklebt, übersetzt...). So weit, so gut. Nur bedingt dies,dass der ganze Satz umgestellt wird (etwas, das die Chinesen sonst nie tun) und eine dieser tollen Konstruktionen mit Hilfsverben verwendet wird, von denen hier niemand das Gefühl hat, dass sie als Konstruktion irgendwie speziell sind (给你送花geben Dir schicken Blumen oder 给你打电话 geben Dir schlagen (anrufen!) Telephon find ich etwas gewöhnungsbedürftig). Und nun kommt das Chinesischte von allem - es geht auch ohne ba, ganz gut sogar, ist auch korrekt, bedeutet das selbe, nur klingt es nicht so gut, in den Ohren der Chinesen. Ein Wegwerfpartikel also. Muss man aber können, sonst versteht man nur 火车站huochezhan.

Ach ja, was nützliches habe ich diese Woche auch noch gelernt. Ich kannte schon die Zeichen für Fisch, 鱼 yü und Schaf, 羊 yang und wunderte mich beim lesen von Restaurantaushängen immer, was für Fleisch wohl die Kombination von beiden, 鲜 xian sei; auch nach langer Kontemplation fiel mir kein Tier ein, dass die Eigenschaften von Schaf und Fisch vereint und auf allen Speisekarten zu finden ist. Nun denn, jetzt weiss ich, dass 鲜 xian frisch bedeutet. Was mir aber noch nicht sagt, was in den 鲜肉饺子 xian rou jiao zi (Frisch-Fleisch-Dumpling) drin ist...

Falls statt 汉字(Chinesischen Zeichen) hier nur 方子(Vierecke) zu sehen waren, solltest Du, lieber Leser, Deinem 电脑(Computer) mal etwas East Asian Language Support gönnen. Wie das geht, wurde hier auch schon beschrieben...

Montag, 10. Dezember 2007

Wunder der Technik

下雪了.我的电脑会写汉字.我非常高兴.

Es schneit. Und mein Computer kann Chinesisch schreiben (konnte er schon immer, nur habe ich jetzt herausgefunden, wie man das auch aktiviert). Falls bei Dir, lieber Leser, die erste Zeile dieses Blogeintrages nicht Chinesisch, sondern nur komisch aussieht. So ist Dein Computer wohl nicht auf asiatische Sprachen gedrillt. Falls Du das ändern willst, gibt es hier eine ziemlich gute Anleitung für Windows-Computer und hier für Macs. Die Linux-Freaks wollen so was natürlich selbst herausfinden, drum hier auch keine Links (aber sagt mir Bescheid, wenn ihr was gefunden habt...).

Sonntag, 2. Dezember 2007

Die siebzehn Grade der Unwissenheit

Sowohl Sokrates (ich weiss dass ich nichts weiss) als auch Donald Rumsfeld (...because as we know, there are known knowns; there are things we know we know. We also know there are known unknowns; that is to say we know there are some things we do not know. But there are also unknown unknowns -- the ones we don't know we don't know.) müssen ihre Inspiration in einem Chinesischkurs gekriegt haben. Während ich in allen Sparchen, de ich bisher gelernt hatte, etwas entweder wusste oder nicht (und man vielleicht noch zwischen aktivem und passivem Wortschatz unterscheiden kann), so gibt es im Chinesischen beinahe unzählige Möglichkeiten etwas nicht zu wissen (die Schrift hilft hier viel...) - hier, ohne Anspruch auf Vollzähligkeit, einige Arten von Unwissen:
  • Ich kenne das Wort gar nicht.
  • Ich hab das Zeichen auch schon mal irgendwo gesehen.
  • Ich kenne das Wort passiv, aber nicht aktiv (wegen der Homophone quasi komplett nutzlos).
  • Ich verstehe das Wort, spreche es aber mit falschem Ton.
  • Ich weiss den Ton, kriege ihn aber nicht hin (zum Beispiel weil ich es nicht verkneifen kann, am Ende einer Frage die Stimme zu heben).
  • Ich kann das Zeichen lesen, habe aber keine Ahnung von der Aussprache.
  • Ich verstehe die einzelnen Zeichen eines Worts (nomarlerweise zwei Zeichen), komme aber nicht dahinter, was das zusammen heissen soll.
  • Ich erkenne das Zeichen beim Lesen, kann es aber nicht schreiben.
  • Und umgekehrt (eher selten).
  • Ich kann das Zeichen eigentlich lesen, aber in diesem Falle verwendet jemand statt des vereinfachten Zeichens das traditionelle (Hongkong, Taiwan, alle Überseechinesen und hier alle Lokale, die auf die Kaiserzeit zurückgehen).
  • Ich glaube, das Zeichen schreiben zu können, vergesse aber einen Strich irgendwo im Gewusel.
  • Ich glaube, das Zeichen schreiben zu können, mache aber ein Häkchen auf die falsche Seite - macht z.B. aus Hand Härchen (und den Familiennahmen des Grossen Vorsitzenden).
  • Ich kann das Zeichen schreiben, male aber die Striche in der falschen Reihenfolge (ganz schlecht).
  • Ich kann das Zeichen schreiben, verzähle mich aber bei den Strichen (auch ganz schlecht, verunmöglicht den Gebrauch einens Wörterbuches).
  • Ich kann das Zeichen schreiben, habe aber vergessen, wie das Radikal heisst (nicht sooo schlimm).
  • Ich konnte das Zeichen in der letzten Lektion schreiben (wan, das chinesische Wort für vergessen habe ich bei der Gelegenheit gelernt - aber keine Ahnung wie das Zeichen aussieht...).
  • Ich kriege es hin. Aussprache, Zeichen, Strichreihenfolge, Radikalbenamsung, Übersetzung in vier andere Weltsprachen etc. Kommentar der Lehrerin (zum Zeichen): bu haokan - nicht hübsch, jener Strich chang yidianr, jener Teil da yidianar...

Ach ja, und dann gibts noch das Ding mit Beijing - die wirklichen Einheimischen verziehen fast alle Endungen in ein gutturales rr - die können das! Macht aber fast alles komplett unverständlich. Ich habe also noch ein bisschen was vor mir, versuche dabei auch immer meinen Spass zu haben...